Eine Legende

Eine Legende

Nachdem wir heute morgen nichts gemacht haben,  gings am Mittag nach Ordu. Unser Akkustaubsauger hat den Geist aufgegeben,  also der Akku. Es muss ein neuer her, weil die Ladebuchse abgebrochen ist.  In der Türkei gibt es Stellen wo man es entweder reparieren kann oder neu bekommt. Nachdem wir den Laden endlich gefunden hatten,  Umzug ohne es google zu erzählen,  haben wir ihn zur Reparatur abgegeben.  Mal sehen ob es klappt.  Wenn nicht bringen wir im nächsten Jahr einen neuen mit. Hier ist er zu teuer.

Auf dem Rückweg zum Auto noch lecker Hausmannskost mit Getranken für 3,90 Euro pro Person.  Lecker und ein guter Preis. Hülyalı Lezzetlerin Ordu, wer mal hin will. In der deutschen Mensa gibt’s nicht so viel, nicht so lecker und nicht so preiswert.

Auf dem Rückweg zum Auto haben wir in einer Seitenstraße unter einer Abdeckung eine Legende entdeckt. Ich wusste nicht was es für ein Auto war und hab gegoogelt. Ford modelbA aus 1930. Das erste Auto in Ordu.

Ich hab weiter gesucht und das gefunden:

Dieses gelb-schwarze Fahrzeug hat eine außergewöhnliche und emotionale Geschichte. Es gilt in der türkischen Küstenstadt Ordu (im Bezirk Altınordu) als eine historische Legende und ist als „das erste Auto der Stadt“ bekannt.

Hier ist die chronologische Geschichte dieses Fundstücks:

1. Die Anfänge im Staatsdienst (1938–1949)Das Fahrzeug – ein Fordson (Model A) aus dem Jahr 1930 – kam im Jahr 1938 nach Ordu. Da es zu dieser Zeit kaum Automobile in der Region gab, übernahm der Wagen wichtige Aufgaben für die Gemeinschaft:Das Krankenhausauto: Zunächst wurde er von den Ärzten des staatlichen Krankenhauses in Ordu (Ordu Devlet Hastanesi) genutzt, um Patienten zu transportieren oder medizinische Fahrten zu erledigen.Das Feuerwehrfahrzeug: Im Jahr 1944 ging der Wagen an die örtliche Feuerwehr über und diente dort mehrere Jahre lang als Einsatzfahrzeug. Auch die Stadtverwaltung (Gouverneursamt) griff zeitweise auf das Auto zurück.

2. Der Kauf per Auktion (1949)Nachdem der Wagen jahrelang im harten öffentlichen Dienst gestanden hatte, beschloss die Behörde im Jahr 1949, das Fahrzeug auszumustern. Es wurde im Rahmen einer öffentlichen Auktion (Versteigerung) zum Verkauf angeboten.Der Einwohner Cevat Aşkan ersteigerte den geschichtsträchtigen Oldtimer damals für die Summe von gerade einmal 46 Türkischen Lira. Er nutzte den Wagen fortan privat und hielt ihn über Jahrzehnte hinweg in fahrbereitem Zustand.

3. Das emotionale VersprechenVor seinem Tod gab Cevat Aşkan seinen Kindern Aziz Aşkan und Gül Aşkan Hüsem ein klares Versprechen mit auf den Weg: „Wenn ihr dieses Auto verkauft, werde ich euch meinen Segen im Jenseits verweigern“ („Satarsanız hakkımı helal etmem“).Die Geschwister hielten sich strikt an das emotionale Vermächtnis ihres Vaters. Trotz zahlreicher Kaufangebote von Sammlern aus der gesamten Türkei weigerten sie sich standhaft, das Erbe abzugeben.Der Zustand heuteDas Auto steht auf privatem Grund im Freien unter dem im Bild sichtbaren improvisierten Schutzdach.

Originalität: Laut Aussagen der Familie sind fast alle mechanischen Teile und die Karosserie im Originalzustand erhalten geblieben. Bis vor einigen Jahren war der Wagen sogar noch aus eigener Kraft fahrbar.Aktueller Status: Da eine professionelle und kostspielige Restaurierung bisher ausblieb, nagt sichtlich der Zahn der Zeit an dem Blech (Rostbildung). Dennoch wird das „erste Auto von Ordu“ von den Nachkommen weiterhin als unbezahlbares Familienerbe bewacht und zieht regelmäßig neugierige Blicke von Passanten und Oldtimer-Fans auf sich.

Wir sind also auf etwas einmaliges gestoßen…mehr oder weniger im Hinterhof.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

de_DEGerman